Hauptmenü

Konzert

Schwanengesang

Jörg Dürmüller, Tenor
Matthias Veit, Klavier

Leise flehen meine Lieder
Durch die Nacht zu Dir

Anders als der "Schönen Müllerin" liegt dem "Schwanengesang" keine geschlossene Handlung zugrunde, und während in der "Winterreise" das Motiv des Weiterziehen-Müssens und die resignative Grundstimmung der Komposition Zusammenhalt verleiht, sucht man in Schuberts letztem Liederzyklus die einheitsstiftende literarische oder musikalische Idee vergebens. Genaugenommen sollte man beim "Schwanengesang" auch nicht von einem 'Liederzyklus', sondern eher von einer 'Liedersammlung' sprechen. Warum das so ist, erklärt sich aus der Entstehungsgeschichte.
Die Lieder des "Schwanengesangs" lassen sich in zwei Gruppen einteilen: Nr. 1 bis 7 stammen von Ludwig Rellstab, Nr. 8 bis 13 sind Heinrich Heines "Buch der Lieder" entnommen. Ursprünglich hatte Rellstab, patriotischer Lyriker zur Zeit der Befreiungskriege und einflussreicher Musikkritiker der Berliner "Vossischen Zeitung", seine Texte an Ludwig van Beethoven gesandt. Zwar mochte sich dieser nicht zur Vertonung entschließen, doch kurz vor seinem Tod, 1827, sorgte er dafür, dass die Gedichte zur Komposition an Schubert weitergereicht wurden. Die Lyrik Heines hingegen war Schubert aus eigener Lektüre bekannt, schließlich gehörten die romantischen Werke eines Tieck, Eichendorff, Chamisso, Uhland, Mörike, Fouqué und eben Heinrich Heine nach der Jahrhundertwende zur progressiven Strömung innerhalb der deutschen Literatur. Schubert beabsichtigte, sowohl die sieben Rellstab-Gedichte als auch die Heine-Lieder zu eigenständigen Zyklen auszuarbeiten. Die Vertonung der vorhandenen Texte fällt ins Jahr 1828, bevor am 19. November desselben Jahres der Tod alle weiteren Pläne hinfällig machte. Schuberts Bruder Ferdinand bot nun die vollendeten Kompositionen dem Verleger Tobias Haslinger an, der die beiden fragmentarischen Zyklen kurzerhand vereinigte und als Schlusslied noch Johann Gabriel Seidls "Taubenpost" hinzufügte. Die "Taubenpost" gilt als Schuberts letztes Lied, so mag Haslinger darauf verfallen sein, der ganzen Sammlung den sentimentalen Namen "Schwanengesang"
zu geben.
Titel und Anordnung der Lieder gehen also nicht auf den Komponisten selbst zurück, und im Grunde vereinigt die Sammlung Unzusammenhängendes. "Liebes-botschaft" ("Rauschendes Bächlein, so silbern und hell"), "Ständchen" ("Leise flehen meine Lieder") oder "Abschied" ("Ade! du muntre, du fröhliche Stadt") stellen in Thema und Charakter einen Anschluss an die "Müllerin"-Lieder her. Noch einmal vernehmen wir das bekannte Plätschern des Bachs, haucht ein einsamer Jüngling seine Liebesseufzer in die Nacht, wird trübselig und tränenschwer Abschied genommen. Andere Lieder lassen tragische Saiten erklingen und stehen - wie "Der Doppelgänger" ("Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen") oder "Atlas" ("Ich unglückselger Atlas!") - in ihrer resignativen Gestimmtheit der Verzweiflung mancher "Winterreise"-Gesänge nahe. So schlägt Schubert in den "Schwanengesang"-Kompositionen ein letztes Mal vertraute Töne an, vielleicht kann man in diesem Sinn von einer Art Resümee sprechen.

Franz Schubert (1797 - 1828)
Noch nicht einmal zweiunddreißig Jahre war Franz Schubert alt, als er 1828 starb und auf dem Währinger Friedhof seine letzte Ruhestätte ganz in der Nähe Beethovens fand. Franz Grillparzer verfasste den Grabspruch: "Die Ton-kunst begrub hier einen reichen Besitz oder noch viel schönere Hoffnungen." Der musikalisch reiche Besitz, den er der Welt hinterließ, ist mehr als erstaunlich. Weit über 600 Lieder, 19 Opern, 8 Sinfonien und eine Fülle von Kammer-musikwerken zeugen von der ungeheuren Produktivität, die Schubert in den nur siebzehn Jahren seines Schaffens an den Tag legte. Die Bilanz seiner öffentlichen Wirkung steht in krassem Missverhältnis zu dieser Leistung: Zu Lebzeiten wurde keine seiner Sinfonien, kein Bühnenwerk, ein einziges der neunzehn Streichquartette, eine der sieben Messen und 187 Lieder gedruckt.
Seine Opernlaufbahn begann der Schweizer Tenor Jörg Dürmüller in Bielefeld und kam über Engagements am Staatstheater Braunschweig und der Komischen Oper Berlin, als Ensemblemitglied an die Volksoper Wien.
Jörg Dürmüllers Stimme verfügt über eine große fachliche Bandbreite. Im vergangenen Jahr wirkte er unter Bruno Weil an einer in der Fachpresse vielbeachteten Aufnahme des "Fliegenden Holländer" in der Urfassung mit, wo er die Partie des Georg (Erik) mit großem Erfolg sang. Im März 2005 spielte er den Evangelisten aus der Matthäuspassion von J.S. Bach unter der Leitung von Ton Koopman auf DVD und CD ein.
Matthias Veit studierte Klavier bei Gernot Kahl und fand frühzeitig Beachtung als Lied- und Instrumentalbegleiter. 1992 erhielt er den Gundula-Janowitz-Preis des Internationalen Schubert-Wettbewerbs in Graz. Es folgten die Interpretationskurse mit Dietrich Fischer-Dieskau, Liederabende mit Franz Grundheber, ebenso wie Einladungen zu internationalen Festivals und Konzerte als Lied- und Instrumentalpartner von Giora Feidman, Angela Denoke, Andreas Schmidt und Hanna Schwarz. Sein umfassendes Interesse an Kunst, Literatur, Theater und Film prägen seine pädagogische Arbeit wie seine Konzerttätigkeit, innerhalb derer er auch mit innovativen und genre-übergreifenden Programmkonzepten hervortrat.

Schwanengesang
Konzertsaal
19. November bis
6. Juni 2016
voriges Bild
nächstes Bild
 
 

Nächste Veranstaltungen

Neues aus dem Schloss

 

SIDEBAR_MENU

scroll to top